Gewalt, Wahrheit und Geisterrauschen

Sunday  16 December  2018  8:00 PM    Sunday  16 December  2018 10:30 PM
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Last update 17/12/2018
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Es ist nicht zu leugnen, die Gewalt wächst in unserer Gesellschaft. Es wird beleidigt, geprügelt, auf offener Straße Gewalt ausgetragen. Es scheint keine friedvolle Gesellschaft, die 2018 Weihnachten feiern will. Wie spiegelt das unsere Literatur? Wir haben vier Autoren eingeladen, in deren Texten unterschwellig oder direkt Gewalt thematisch wird, die körperliche, die seelische, Gewalt in der Geschichte, durch die Natur.
Lesung und Gespräch mit den Autoren.
Maruan Paschen: Weihnachten
Maruan Paschens Roman „Weihnachten“ zelebriert das schönste deutsche Familienfest, bei den Paschens wird Fondue gegessen, werden Geschichten erzählt. Der Erzähler in Paschens rasantem tragikomischen Familienroman berichtet einem Therapeuten vom letzten Weihnachtsfest mit seiner Familie: seine alleinerziehende Mutter und ihre Brüder. Es geht um eine Liebesbeziehung im Kaufhaus, den kranken Onkel Art, der einen Weihnachtsbaum samt Auto klaut, Onkel Tarzan, der Araber hasst und von seiner Familie verlassen wurde, und Onkel Berti, der beim Versuch, das Weihnachtskonzert zu dirigieren, den Fonduetopf umwirft.Und und und. Doch bald schon mischt sich Skurriles unter, die Familie sitzt mit Handschellen am Tisch, der Tod wird allen angekündigt. Aus dem Fest der Liebe wird ein Fest der Tragödien, der Einsamkeit und der (Selbst-) Morde.Voll abgründigem Witz erzählt Paschen, mmer mehr erfährt man vom Leben des Erzählers und seiner Familie. In Erinnerungen an frühere Weihnachtsfeste und die Familiengeschichte tritt die Vergangenheit wieder hervor. Alte Kränkungen und dunkle Geheimnisse, die über Generationen weitergegeben werden und das Leben schleichend vergiften, kommen ans Tageslicht. Aber wer tötete wen? Und wer war der Therapeut?
»Diese Familiengeschichte, in ihrer ganzen Zersplittertheit und ihren verwirrenden Konstellationen, ist vielleicht die ehrlichste, die seit langem geschrieben wurde.«
– Fabian, Thomas, The Daily Frown
»Maruan Paschen gelingt mit „Weihnachten“ ein absonderlich-absurdes Kammerspiel; der Roman erzählt von einem Familientreffen, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war.«
– Bernd Schuchter, Buchkultur
»Paschens Erzählungen strotzen nur so von Skurrilität und Metaphern und bieten dem Leser ein intelligentes Sammelsurium an Familiengeschichten, bei dem man nicht anders kann, als an eigene Familienfeste zu denken.«
– Christian Straub, ekz-bibliotheksservice
»Absurd, rasant, zum Heulen und Lachen schön.«
– Öko Testmagazin
»Im besten Sinne skurril, neurotisch und absurd!«
– Martin Hoffmeister, Rotary Magazine
https://www.deutschlandfunkkultur.de/maruan-paschen-weihnachten-ein-fest-in-handschellen.1270.de.htmldram:article_id=435299
Andreas Altmann, Weg zwischen wechselnden Feldern (Poetenladen, 2018)
Andreas Altmanns Gedichten wird magische Schönheit und Einfachheit nachgesagt. Der neue Gedichtband zeigt einen Lyriker, der ungekannte Wort- und Sinnfelder auslotet. Er erkundet Naturlandschaften, im Bild eines Weges werden Felder, Böden, Erden, Terrains poetisch belebt, in die zunehmend Fantastisches einfällt, Geister von Toten, Engel, lebendig gewordene jüngste deutsche Geschichte, die Geschichte auch der eigenen Kindheit. Viel Trauer ist in den Gedichten gegenwärtig, Kälte, Gewalt. Der Gedichtband beginnt stakkatohaft mit „Wortfeldern“: „hunde, ein engel, gestutzte bäume, gesprungener asphalt, risse an den frosträndern des fleisches. metallklänge im gehwind, kopfreiter, gewehrläufe, knackende haut, laute, streusandteppiche, augenwasser, schwimmende straße. gesichtsverluste. tränenfugen. maria kranichtänze, zaunfelder. helle klopfgeräusche. stimmen. fäden aus zwischenräumen. strickmuster gedächtnis. ein weißer handschuh im schnee.“ Dann schwingt Altmann sich immer wieder auf die Schönheit seiner Sprache ein, in der alles aufgehoben scheint:. Der Wald, durch den der imaginäre Wanderer läuft, ist das dichterische Sprechen sebst, das den Blick öffnet: "der wald öffnet den blick und geht mit seinen versteckten tieren durchs augenlicht. figuren aus anderen zeiten hocken in seinen räumen. ihren gesichtern fehlt der mund. ich spreche sie an."
„Die Partitur aus übereinander angeordneten Geräuschen und Farben ermöglicht Nachempfinden bis hin zu synästhetischen Wahrnehmungen... Der Leser befindet sich in einem eindringlichen Spannungsfeld von Realität und Fantasie, logischen und unlogischen Ereignissen, Tod und Lebendigkeit... Indem sich Erzähltes und Erinnertes verbindet, öffnen sich Räume voller feiner Melancholie.“ literaturkritik.de
Andreas Altmann wurde 1963 geboren in Hainichen (Sachsen), zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften. sein lyrisches Werk erscheint im „Poetenladen“ Das zweite Meer 2010, es gibt eine andere Welt (hg. mit A. Helbig), Art der Betrachtung, 2012, die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so, 2014.
Jan Skudlarek, * 1986, früher vor allem Lyrik (u.a. Elektrosmog bei luxbooks, - du hast Lippen wie Mozart, Sukultur). Promotion zu einem sozialphilosophischen Thema, nämlich der Ontologie von Gruppenabsichten (können gruppen absichten haben oder nur individuen?). jetzt vor allem populärwissenschaftliche Sachbücher zu gesellschaftlichen Themen. der Aufstieg des Mittelfingers beschäftigt sich teils im Ton scherzhaft, doch im Thema ernst mit (den Grenzen) der Meinungsfreiheit und des Sagbaren, mit Macht und Hass, sprachlicher Gewalt im Internet und Offline, mit Hetze, Politik, Menschenbild. politische Korrektheit wird als soziale Achtsamkeit gedeutet, Beleidigung oft als Machtanspruch, als akt des Raumgreifens. als Grenzüberschreitung, die es zu analysieren lohnt.
Im März 2019 erscheint ein weiteres Sachbuch; diesmal bei Reclam unter dem Titel: die ganze Wahrheit und andere Lügen. wie wir erkennen, was echt und wirklich ist.
Das neue Buch beschäftigt sich mit Fragen der wahren Wirklichkeitsbeschreibung und mit Verschwörungstheorien.
Svenja Viola Bungarten: Die Monologe der Fregattenkapitänin
Das Ehepaar Vero und Uwe Schmitt reist nach Afrika, in die sadunesische Wüste, um am Himmel schwarze Löcher zu beobachten. Doch was als Forschungsreise beginnt, wird zu einer irrwitzigen Odyssee. So treffen sie auf Vega und Ulvi, GoldschürferInnen aus der Not, die Auto und Papiere der beiden Europäer stehlen und sich mit ihrer neuen Identität nach Bonn aufmachen wollen. Obwohl Uwe und Vero derweil zunehmend an Korruption und behördlicher Willkürverzweifeln, gelangen sie schließlich dank einer Schlepperin an die Küste, wo sich bereits eine Katastrophe ereignet hat. Doch steht eine weitere noch bevor. Davon berichtet eine Fregattenkapitänin vor Gericht, Zeugin und Angeklagte in einem.
Svenja Viola Bungartens zweites Theaterstück BONN IST EINE STADT IM MEER zeigt eine Welt in Schieflage. Vor dem Hintergrund des Khartum-Prozesses und der nicht abreißenden Migrationsbewegung verhandelt es Fluchtursachen und deren angebliche Bekämpfung. Anhand eines überbordenden Kaleidoskops an Schauplätzen, Figuren, Geschichten und Begegnungen setzt das Stück das eurozentrische Afrikabild in Szene.
Svenja Viola Bungarten, geboren 1992 in Koblenz, studierte Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin. 2016 erhielt sie für ihr Libretto POST NUCLEAR LOVE den "Berliner Opernpreis". Im selben Jahr war ein Auszug einer frühen Fassung ihres Stückes TOT SIND WIR NICHT im Rahmen der "Werkstatt neue Stücke" unter ihrer Regie sowohl am BAT als auch im Deutschen Theater Berlin zu sehen. 2017 war sie zum Festival für junge Literatur "Prosanova" eingeladen und mit DOROTHEE STURM für den "Retzhofer Dramapreis" nominiert. Zudem ist sie Herausgeberin der Buchreihe "STILL Drama". Auszeichnungen: 2016 Berliner Opernpreis für ihr Libretto "Post Nuclear Love" 2017 Nominierung für den Retzhofer Dramapreis für "Dorothee Sturm"
Houssam Hamade „Sich Prügeln. 18 Geschichten aus dem Leben“ (2018)
Es sind rohe Erzählungen, die Houssam Hamade in seinem Band „Sich prügeln. 18 Geschichten aus dem Leben.“ versammelt. Roh deswegen, weil Hamade den Stimmen der Gewalt einen raum verschafft, in dem sie brüllen, abwägen, pointieren können – so, wie es ihnen gefällt. An keiner Stelle wird verherrlicht, immer wird nach Gründen gesucht: was macht diese Prügelei zu einer notwendigen? Hätte die Situation auch anders gelöst werden können? Es spricht für Hamades Schreibkunst, dass es keiner Exposition bedarf, keines exhaustiv erläuterten Settings, damit wir uns zurechtfinden im Spannungsverhältnis von Körperlichkeit und Sprache, am Puls dieses immer wieder neu vermessenen Narrativs aus gewonnener und verlorene Würde, aus erlittenem und zugefügtem Schmerz.
Houssam Hamade studierte an der Humboldt Uni Sozialwissenschaften. Er schreibt für verschiedene Zeitungen, unter anderem die Zeit, Taz und Cicero. während des Studiums gründete er gemeinsam mit anderen einen profitlosen Tanzklub in Kreuzberg. Er arbeitete außerdem lange als Türsteher und nahm an Kickboxwettkämpfen teil. "Sich Prügeln" ist sein erstes Buch. Es ist geplant als erster Band der Reihe "Geschichten aus dem Leben". Darin schildern Erzähler Grenzsituationen, die sie erlebt haben, und wie sie damit umgehen

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